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Das Naturschutzgebiet Untere Nahe erstreckt sich etwa von Bretzenheim bei Bad Kreuznach bis Bingen am Rhein über ca 11 km an der Nahe entlang. Seitlich ist es fast überall von den Nahedeichen begrenzt. Die Uferbereiche der Nahe sind größtenteils mit Erlen, Pappeln und Weiden bewachsen, so dass stellenweise ein Auwaldcharakter festzustellen ist. Da einige frühere Mühlen von abgezweigten Mühlbächen versorgt worden sind, konnten kleine unberührte Inseln zwischen Mühlbach und Nahe entstehen, die kaum zugänglich sind und deshalb gern von vielen Vogelarten zum Brüten angenommen werden. Frequentiert wird das Gebiet hauptsächlich von Spaziergängern und Anglern und ansonsten kann es höchstens sein, dass im Sommer ein paar Jugendliche am Wehr bei Gensingen schwimmen.
Zu erreichen ist das Gebiet mit der Bahn über die Rheinstrecke (Hbf Bingen) oder die Nebenstrecke Bingen – Bad Kreuznach an der Nahe entlang, wo auf der Westseite der Nahe in jedem Ort ein kleiner Bahnhof ist. Östlich verläuft der Naheradweg von der Quelle im Saarland bis zur Mündung bei Bingen. Mit dem Auto kann man über die A61 (z.B. Abfahrt Dorsheim) oder auch von Bad Kreuznach her über die B41 bzw. B48 kommend, das NSG gut erreichen. Allerdings muss man sagen, ist dieses Gebiet nicht so spektakulär, dass man dafür extra von weit her anreist, sondern ein Kleinod für Menschen aus der Umgebung oder Urlauber, die hier ein wenig Ruhe und Erholung suchen und gleichzeitig eine recht interessante Vogelwelt beobachten wollen. Da die Nahe in diesem Bereich ziemlich genau in Süd-Nord-Richtung verläuft, ist ein Morgenspaziergang auf der Ostseite (z.B. bei Gensingen) und ein Nachmittagsspaziergang auf der Westseite (Münster-Sarmsheim, Laubenheim, Langenlonsheim, Bretzenheim) zu empfehlen.Was macht das Gebiet für Vogelliebhaber interessant?
Es sind hier eher nicht die spektakulären Seltenheiten, weswegen man dieses Gebiet besucht, sondern mehr die Vielfalt der Brutvögel, die hier heimisch sind. Das heißt nicht, dass auch mal aus einem kleinen Schilfbestand in 5m Entfernung eine Rohrdommel auffliegt, oder dass im flachen Wasser auch mal ein Silber- oder Seidenreiher stehen kann. Da das Gebiet sehr schmal ist und man überall nah dran ist, reicht es normalerweise, mit einem Fernglas „bewaffnet“ zu sein. Man braucht also nicht das schwere Spektiv mitzuschleppen und hat trotzdem einen guten Einblick. Zu allen Jahreszeiten bietet dieser 11 km lange Streifen eine Vielfalt an Beobachtungsmöglichkeiten. Im Winter sind es hauptsächlich die Gäste wie Zwerg- und Gänsesäger, ab und zu auch Mittelsäger, Krick-, Reiher-, Tafelenten und vor allem auch unterschiedliche Gänsearten, die die Nahe bevölkern. Zu den Zugzeiten im Frühjahr und Herbst bekommt man regelmäßig Fischadler, Kranich und vieles mehr zu sehen. Mir persönlich gefällt das Gebiet am besten im späten Frühjahr (April – Juni), wenn aus dem dürren Uferbewuchs sich innerhalb weniger Wochen ein undurchdringbares meterhohes Grün aus Brennnesseln und anderen Kräutern und Gräsern entwickelt. Gleichzeitig ist dann wieder überall das Lied der Nachtigall zu hören, fangen die verschiedenen Grasmückenarten zu singen an, der Feldschwirl zirpt sein endloses Sirren, der Kuckuck ruft aus allen Ecken seinen Namen, Teich- und Sumpfrohrsänger besetzen den dichten Uferbewuchs. Aus den hohen Pappeln und Weiden flötet der Pirol sein Lied. Faszinierend, wenn am frühen Abend Hunderte von Mauerseglern und Schwalben kreuz und quer über der Nahe auf Insektenjagd gehen. Spektakulär sieht es aus, wenn der männliche Baumfalke in der Nähe des Brutplatzes seine Beute im Flug an das Weibchen übergibt, das dann die bettelnden Jungen damit füttert. Wenn der Wasserstand den Flussregenpfeifern keinen Strich durch die Rechnung macht, sieht man schon mal auf den Kiesbänken junge Regenpfeifer herumdribbeln, wo sonst Waldwasserläufer, Flussuferläufer und Gebirgsstelze ihre Nahrung suchen. Das schöne Nest der Beutelmeise suche ich leider seit 2-3 Jahren vergebens. Davor gab es einige Beutelmeisenreviere im Gebiet. Auch der Bestand der Wasseramsel scheint rückläufig zu sein. Für den Eisvogel ist es ein tolles Gebiet mit vielen Sitzwarten, geeigneten Brutröhrenböschungen und auch einem schönen Fischbestand mit vielen Kleinfischen. Leider ist auch hier im letzten Winter der Bestand ziemlich eingebrochen. Über dem Deich kann man in einigen Brachflächen noch Grauammer, Schwarzkehlchen und Neuntöter bewundern oder es rennt eine Rebhuhnfamilie tief geduckt durch die Ackerfurchen. Die Bruten von Haubentaucher, Nilgans, Höckerschwan, Waldohreule runden das facettenreiche Brutgeschehen an der Nahe ab.
Noch ein Tipp!
Wer nach einem langen Beobachtungsspaziergang dann durstig und hungrig nach Labung sucht, der ist in diesem Bereich der Nahe gut bedient. Sowohl auf der westlichen Seite von Münster-Sarmsheim über Laubenheim, Langenlonsheim bis Bretzenheim bieten Straußwirtschaften, Gasthöfe und Gutsschänken gute Einkehrmöglichkeiten, als auch auf der östlichen Seite, wo von Büdesheim über Gensingen/Grolsheim bis Ippesheim in allen Ortschaften ein guter Naheschoppen oder Rheinhessenwein angeboten wird.
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